Hobbyfahrer hat geschrieben: 05 Mär 2026 09:05
Ich nutze seit 16 Jahren LiFePO4 Akkus in meinen Motorrädern und da gibt es keine passenden Kennlinien. Defekte oder andere Auffälligkeiten habe ich nie gehabt und selbst eine Alterung konnte ich nicht feststellen. Ich selbst mache mir da keine Sorgen, da ja genau dafür das BMS ist und die Hersteller auch wissen, dass die Ladetechnik in Fahrzeugen in der Regel für klassische Akkus ausgelegt sind.
Ich denke, dass Du Deine Erfahrungen vom Motorrad nicht 1zu1 übertragen kannst.
Der Alterungsprozess ist ja schleichend. Bevor Du da bei deinem Motorrad "Auffälligkeiten der Alterung" überhaupt feststellen kannst, muss dieser ja schon sehr weit fortgeschritten sein. Bei einer Aufbaubatterie merkt man es hingegen deutlich, ob man nach (meinetwegen) 3 Jahren nur noch zwei anstatt vier Tage autark stehen kann (ist nur als Beispiel gemeint).
Vielleicht bin ich bei solchen Dingen in Anbetracht des Anschaffungspreises dieser Batterien (meine haben 2023 1.500 EUR pro Stück gekostet) auch zu vorsichtig - das will ich nicht ausschließen.
Dennoch vielleicht für die, die überlegen eine LiFePO4 doch als Starterbatterie einzusetzen:
Wenn das BMS bei einer Aufbaubatterie aufgrund einer falschen Ladekennlinie, zu hoher Ladeschlussspannung oder sonstigen Gründen unvermittelt abschaltet ist das "egal" aber wenn das bei der Starterbatterie passiert, hast Du unter Umständen ein echtes Problem. Bitte auch nicht vergessen, dass dann unter Umständen auch die Versicherung die Zahlung verweigert respektive man auch von der Haftpflicht in Regress genommen werden kann.
Hobbyfahrer hat geschrieben: 05 Mär 2026 09:05
Dr.Oetzi hat geschrieben: 02 Mär 2026 19:29
Das ist gut. Kannst Du mehr dazu sagen? Wo, wie und was hast Du denn gemessen?
Ich habe/hatte an beiden Batterien einen Intact Battery Guard oben auf das Batteriegehäuse geklebt und alles damit überwacht, besonders um die Temperaturen zu messen. Ich hatte kein einziges mal Temperaturen über 60 Grad und war selbst sehr positiv überrascht wie unauffällig die Temperaturen sind. Allerdings war ich selbst nie in einem Stau bei hohen Aussentemperaturen. Im normalen Betrieb gab es keine Auffälligkeiten und der Motorraum ist ja beim Crafter riesig und gut durchlüftet.
Bei meinem Fahrzeug ist es also kein Problem und selbst wenn das BMS den Akku abschalten würde wäre es bei mir auch nicht schlimm, weil da nichts lebensnotwendiges während der Fahrt angeschlossen ist.
Das ist sehr interessant. Meine Beobachtung ist, dass die Motortemperatur beim Crafter (habe auch den BiTDI aber als 4Motion) eigentlich relativ konstant ist aber bei Dauerlast aufgrund des hohen Fahrzeuggewichts dann doch stark ausschlägt.
Wenn man nun bspw. mit stark erhitztem Motor in einen Stau kommt (der Motor also viel Wärme abstrahlt) und aufgrund von Stop and Go der Fahrtwind fehlt, könnte ich mir schon vorstellen, dass man dann in kritische Regionen kommen könnte.
Und man darf nicht vergessen: Wenn Du Temperaturen nicht über 60°C gemessen hast (ohne ungünstige Betriebsbedingungen), dann bedeutet das im Umkehrschluss, dass das für Deine Batterie während des Ladevorgangs dennoch bereits der Grenzbereich ist. Selbstverständlich hat das Auswirkungen auf die Alterung. Und da dein Energiemanagement keine Anbindung an die Batterie hat, wird die Batterie auch immer mit voller Ladeschlussspannung voll geladen, was ebenfalls Stress für die Zellen darstellt.
Folglich ist ein beschleunigter Alterungsprozess gegenüber einer Batterie zu erwarten, die bei ~20°C im Innenraum des Fahrzeugs geladen wird.
Dennoch überrascht mich Deine Messung ebenfalls positiv. Sie zeigt, das es (mit den genannten, zu erwartenden Abstrichen beim Alterungsprozess) unter normalen Bedingungen funktioniert.
Hobbyfahrer hat geschrieben: 05 Mär 2026 09:05
Dr.Oetzi hat geschrieben: 02 Mär 2026 19:29
Das ist ein neues, sehr wichtiges Detail. Das hattest Du bisher glaube ich nicht erwähnt (oder habe ichs einfach übersehen?), weswegen ich davon ausgegangen bin, dass Du wie manch anderer die LiFePO4 einfach so eingebaut hast.
Das hatte ich auch nicht extra erwähnt. Ich selbst nutze einen Votronic VCC 1212-50 Ladebooster und einen Victron Multiplus Compact und beide Geräte sind mit den passenden Einstellungen eingestellt.
Das ist ein ziemlich cooles und zugleich minimalistisches Setup... (auch mit Blick auf die Einbauposition)
Hobbyfahrer hat geschrieben: 05 Mär 2026 09:05
Dr.Oetzi hat geschrieben: 02 Mär 2026 19:29
Kannst Du für die anderen etwas mehr dazu sagen? Wo hast Du denn den Ladebooster verbaut und was hast Du denn mit dem Trennrelais gemacht? Wie hast Du das mit dem D+ gelöst oder steuerst Du den Ladebooster manuell? (Bitte entschuldige die vielen Fragen aber genau da verstecken sich ja die wichtigen Details)
Der Ladebooster ist unten dem Fahrerschwingsitz montiert worden. Deine anderen Fragen kann ich leider nicht beantworten, weil ich das genau aus den Gründen deiner Frage bei einem Fachbetrieb (Car-Electric) hab einbauen lassen.
Meine Aufbaubatterie hat ab Werk keine Batterieüberwachung.
Wenn Car-Elektric das gemacht hat, dann gehe ich davon aus, dass folgende gemacht wurde:
- Stilllegung Trennrelais (wie sie es bei ihrem Autarkiepaket generell machen)
- Deaktivierung der Fremdladungserkennung
- Anpassungen der Warn- und Abschaltstufen auf Li-Ionen-Technik.
Auf die Anbindung ans KFG (per LIN) wurde verzichtet. Das ist technisch möglich, jedoch vom Hersteller nicht empfohlen, denn es verhindert, dass das Energiemanagement des Fahrzeugs die Batterie "intelligent" laden kann. Und damit entfällt auch die Möglichkeit, dass die Aufbaubatterie dann nicht immer voll geladen wird, was sehr ineffizient ist. Aber technisch möglich ist es, wie es bei Dir gelöst ist.
Vielleicht noch einen Satz davon ab:
Danke für den guten Austausch zum Thema.