News 4.11.2005
Jeder fünfte Lkw fiel durch
Quickborn: Polizei nahm auf der A 7 Güterverkehr unter die Lupe. 25 "Brummi-Lenkern" wurde die Weiterfahrt untersagt. Ein Mercedes-Sprinter war zu 37 Prozent überladen.
Günter Bragrock greift zur Digitalkamera. "Die Zuggabel ist verbogen, zeigt deutliche Korrosionsspuren. Dieser Mangel ist nicht neu", so der Experte des Dekra Norderstedt. Für den Fahrer des Gespanns, das einer Spedition aus Berlin-Mariendorf gehört, schon: Er gibt an, den Anhänger das erste Mal zu benutzen - und beim Ankoppeln morgens um 6 Uhr sei es dunkel gewesen.
Ausreden wie diese bekamen die mehr als 100 Einsatzkräfte bei der gestrigen Großkontrolle auf der Autobahn 7 häufig zu hören. 90 Polizisten aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen sowie zwölf Zöllner, vier Feldjäger der Bundeswehr und Vertreter der Veterinärbehörden Pinneberg und Segeberg, von Dekra, der Bundesanstalt für Güterverkehr und dem Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz hatten die Rastplätze Holmmoor Ost und West für sechs Stunden in Beschlag genommen. Beidseitig wurden die "Brummis" stichprobenartig herausgewunken.
"Wenn das nicht repariert wird, führt das irgendwann dazu, daß der Anhänger abreißen kann", klärt Dekra-Mann Bragrock den Berliner Brummi-Fahrer auf. Der gibt sich schuldbewußt - und darf die Fahrt fortsetzen. Für eine Stillegung reicht der Schaden nicht aus. Allerdings muß die Spedition innerhalb einer Woche nachweisen, die festgestellten Mängel behoben zu haben - sonst greift die Polizei ein.
Die Beamten hatten im vergangenen Jahr auf der A 7 viel Arbeit: "Zwischen der Hamburger Landesgrenze und dem Rendsburger Kreuz haben sich 140 Unfälle ereignet, an denen Lkw beteiligt waren", erläutert Frank Lassen, Sprecher des Landespolizeiamtes Schleswig-Holstein. Als Hauptunfallursachen gelten nichteingehaltene Lenk- und Ruhezeiten, zu hohe Geschwindigkeit, Überladung sowie technische Mängel.
Genau auf diese Punkte achteten jetzt die Einsatzkräfte. Haben die Reifen noch genügend Profil? Sind die Achsen in Ordnung? Wenn nötig, krochen die Beamten auch unter die Fahrzeuge und ließen sich die Heckklappen öffnen, um die Sicherung der Ladung zu inspizieren. Überprüft wurde auch, ob die Frachtpapiere mit der Ladung übereinstimmen und ob Gefahrgut gekennzeichnet ist.
Wenn der Verdacht auf eine Überladung bestand, kam eine Achslastwaage zum Einsatz. Ihr "Opfer": ein Mercedes-Sprinter. Das Fahrzeug, für ein Gesamtgewicht von 2,8 Tonnen zugelassen, wog stolze 3,95 Tonnen - der Höchstwert des Tages. Der Fahrer, der nach eigenen Angaben Schrauben transportierte, mußte daraufhin eine Zwangspause einlegen. "Ihr Fahrzeug ist um 37 Prozent überladen, wir müssen ihnen die Weiterfahrt untersagen", informierte Egon Dickmann vom Autobahnpolizeikommissariat Winsen/Luhe den Mann. Zusätzlich gibt es drei Punkte in Flensburg und 125 Euro Bußgeld.
Insgesamt wurden 500 Lkw kontrolliert. Knapp jeder fünfte wies Mängel auf. 25 "Brummi-Lenkern" wurde die Weiterfahrt untersagt. Die häufigsten Gründe: abgefahrene Reifen, nicht gesicherte Ladung sowie Überschreitung des zulässigen Gewichts. Ein Lkw-Fahrer kam auf 0,5 Promille - er wurde ebenso wie ein älterer Kollege, der die vorgeschriebene ärztliche Untersuchung versäumt hatte, aus dem Verkehr gezogen. In zehn Fällen fehlte die notwendige Gefahrgutkennzeichnung, achtmal waren Tachometer manipuliert.
Von Arne Kolarczyk







